3. Januar 2026, NZZ
S. 13
Das Unentschuldbare. Bisher gesperrte Dokumente belegen, wie schwer sich der Bundesrat mit der Nazi-Zeit tat
Die Schweiz ist ein sonderbares Land. 1989 veranstaltet sie behördlich orchestrierte Erinnerungsanlässe zum 50-Jahr- Jubiläum der Mobilmachung der Armee im Zweiten Weltkrieg. Als europaweit einziger Staat – und dazu als einer, der kriegsverschont war. Das löst im Ausland Erstaunen aus. Und im Inland Empörung, zumindest bei den Linken, die mit einer Initiative gerade die Armee abschaffen wollen und nun mit der Zelebrierung des eidgenössischen Wehrwillens konfrontiert sind. Der Verteidigungsminister Kaspar Villiger beschwichtigt: «Wir feiern weder den Kriegsausbruch (. . .), noch sind Heldendefilees vorgesehen.» Der Bund wolle der Aktivdienstgeneration danken und glaube, dass «die Jungen einen Anspruch auf eine sachliche und ehrliche Information über jene Zeit haben».
Marc Tribelhorn
