Focus

2016-02-12 Tages-Anzeiger

12. Februar 2016, Tages-Anzeiger
«These eines Alleingangs ist wenig plausibel»
Ein Interview mit dem Historiker Sacha Zala über die Rolle von Bundesrat Graber während der Öl- und Terrorkrise.
Sacha Zala
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2016-01-20 RSI

20. Januar 2016
RSI, Telegiornale
Das Geheimabkommen mit der PLO

Die Schweiz hätte auf Initiative des damaligen Bundesrates Pierre Gräber im September 1970 ein Abkommen mit der PLO, Palästinensische Befreiungsorganisation, abgeschlossen, um die rund 400 in einem Flugzeug der Swissair sowie zwei weiteren Maschinen in der Wüste Jordaniens festgehaltenen Geiseln zu befreien. So lautet die These eines Artikels der Neuen Zürcher Zeitung. Sacha Zala stellt die Ereignisse auf Basis der Analyse der in Dodis veröffentlichten zeitgenössischen Dokumente in einen breiteren internationalen Kontext.

 

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News

Von der Realität der Annahme des Grössten anzunehmenden Unfalls

Das Dorf LucensDie Katastrophe von Fukushima hat uns mit erschreckender Deutlichkeit vor Augen geführt, was es heisst, wenn die Planungsannahme des sogenannt grössten anzunehmenden Unfalls Realität wird. Ich glaube daher nicht an einen Zufall, wenn seit März 2011 die Frage der Sicherheit der Atomkraftwerke auch in der Schweiz immer wieder aufgeworfen wird. Der politische Entscheid des Bundesrates, schrittweise aus der Atomenergie auszusteigen, erstaunt angesichts der japanischen Katastrophe nicht. Ebenfalls erstaunt nicht, dass die seit 1990 bekannten Sicherheitsprobleme des Atomkraftwerkes Mühleberg nahe Bern in den letzten drei Jahren von der Presse ausführlich diskutiert worden sind und auch Gegenstand eines Bundesgerichtsentscheids waren.
Erstaunlich ist hingegen, wie wenig über einen Nuklearunfall gesprochen wird, der sich in der Schweiz ereignet und auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse die Stufe 5 von 7 erreicht hat. Weiterlesen →

Giovanni Segantini – der staatenlose Kosmopolit

Giovanni Segantini mit seiner FrauHeute ist der 15. Januar, und am 15. Januar 1858 wurde Giovanni Battista Emanuele Maria Segatini (sic), besser bekannt unter dem Namen Giovanni Segantini, der berühmte Maler aus Maloja, geboren. Vom anmutigen Bergeller Dorf öffnet sich der Blick ins Engadin, das Segantini in vielen seiner Werke verewigt hat. Denkt man weiter an die Bergeller Künstlerdynastie der Giacometti, von Augusto und Giovanni bis zu Alberto, Diego und Bruno, wie sollte man da nicht an den genius loci glauben, der Giovanni Segantini, mit Ferdinand Hodler und Cuno Amiet, in die Reihe der grössten Schweizer Künstler katapultierte? Weiterlesen →

2016-12-29 Neue Zürcher Zeitung

29. Dezember 2016, Neue Zürcher Zeitung, S.14-15

Zwei Namen mit Sprengkraft

Von offizieller Seite wird bestritten, dass 1970 unter der Ägide von Bundesrat Pierre Graber ein Stillhalteabkommen mit dem PLO-Aussenbeauftragten Farouk Kaddoumi abgeschlossen wurde. Derweil bringen neue Recherchen der NZZ brisante Namen ins Spiel: den berüchtigten Alt-Nazi Fran¸cois Genoud und den palästinensischen Emissär Fuad Shamali, der später eine führende Rolle bei der militanten Organisation «Schwarzer September» spielte.

Marcel Gyr
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2016-09-15 Neue Zürcher Zeitung

15. September 2016, Neue Zürcher Zeitung

Neue Hinweise im Fall «Würenlingen»

In der palästinensischen Kommandogruppe, die 1970 den Terroranschlag von Würenlingen verübte, sind auch zwei Westdeutsche aktiv gewesen. Dies steht in einem zeitgenössischen Bericht der amerikanischen Bundespolizei FBI.
von Marcel Gyr
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2016 Uni Bern (HS): Digital Diplomacy – Vom analogen Archiv bis zum World Wide Web

Universität Bern • HS 2016
Digital Diplomacy – Vom analogen Archiv bis zum World Wide Web
HW-Übung (2-stündig)
Die Lehrveranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende, die beabsichtigen, eigene Forschungen im Schweizerischen Bundesarchiv durchzuführen und mit digitalen Werkzeugen umzusetzen. Nebst einer vertieften Einführung in die Strategien zur Erforschung von Archivbeständen werden die Edition der Diplomatischen Dokumente der Schweiz und die Forschungsdatenbank Dodis (www.dodis.ch) eingehend erläutert und angewendet. Ausserdem werden im Laufe des Semesters Möglichkeiten für die digitale Umsetzung historischer Forschungsergebnisse diskutiert und umgesetzt. Ausgehend von verschiedenen thematischen Ansätzen sollen die Aussenbeziehungen der Schweiz exemplarisch untersucht werden. Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie Archivdokumente analysieren und quellenkritisch diskutieren können sowie gewillt sind, sich in die relevanten digitalen Tools einzuarbeiten.

 

«Oggi la storia» ist eine Radiosendung der Radiotelevisione svizzera RSI, welche die Idee verfolgt, im Kurzformat verschiedene mit Aktualitäten oder Jahrestagen in Zusammenhang stehende Themen unter einem historisch-philosophischen Gesichtspunkt zu vertiefen. Die Sendung präsentiert Gedanken, Aufzeichnungen und Betrachtungen von Akademikern, die, angeregt von Alltagsereignissen, Gedenktagen und anderen besonderen Anlässen, einen Blick auf die Gegenwart ermöglichen und gleichzeitig die manchmal unsichtbaren, aber realen und wichtigen Verbindungen zur Vergangenheit ans Licht bringen. Von 2012 bis 2014 hat Sacha Zala zusammen mit anderen bekannten italienischen Historikern und Philosophen wie Emilio Gentile, Francesca Rigotti, Tommaso Detti oder Fabio Minazzi jede zweite Woche eine «carte blanche» erhalten. Hier werden in loser Folge die Beträge von Sacha Zala auf Italienisch und in deutscher Übersetzung von Anna Magdalena Roner zur Verfügung gestellt.

Geburtstags-Arithmetik

L’aritmetica del compleannoHeute ist der 7. Januar, und würden ihr nicht bereits wichtige Persönlichkeiten – vom unglückseligen Ludwig III. von Bayern, über den heldenhaften kasachischen Kosmonauten Talghat Mussabajew, und den berühmten amerikanischen Schauspieler Nicolas Cage sowie den schrillen Gerhard Friedle alias DJ Ötzi bis hin zu unserem unbestechlichen Dick Marty – in gnadenloser Konkurrenz den Kalenderplatz streitig machen, müsste an diesem denkwürdigen Datum unbedingt an den Geburtstag meiner Mutter erinnert werden. Weiterlesen →

O Fiume o morte!

Ginevra Heute ist der 18. Dezember, und es war am 18. Dezember 1919, als in Fiume – der Hafenstadt an der Kvarner-Bucht, die nach stürmischen historischen Ereignissen heute den Namen Rijeka trägt und in Kroatien liegt – über die Frage abgestimmt wurde, ob das Angebot der italienischen Regierung für einen modus vivendi angenommen werden sollte, um die Stadt aus der Besetzung durch Gabriele D’Annunzio und seine Freischärler zu befreien: Sollte es aus Gründen von internationalen Verstrickungen nicht gelingen, die Stadt an Italien anzuschliessen, werde ihr der Status einer «Freien Stadt» verliehen, womit der Kommandant und seine «Arditi» von ihrem Schwur, Fiume bis zu ihrem Tod zu halten, entbunden wären. Weiterlesen →

Demokratie und Völkerrecht

Willy Spühler Vor etwas mehr als drei Jahren hat der Bundesrat zum ersten Mal in seiner Geschichte dem Parlament beantragt, eine Volksinitiative teilweise für ungültig zu erklären. Die Neuigkeit lag in der Teilungültigkeit: In den über 120 Jahren seit der Einführung dieses politischen Rechts wurden vier Initiativen für ganz ungültig erklärt und damit dem Volkswillen entzogen, das letzte Mal 1995. Es ist unbestritten, dass die Seltenheit des Ereignisses Ausdruck des politischen Widerwillens ist, das demokratische Initiativrecht einzuschränken. Seine eigentliche Bedeutung liegt eher im indirekten Effekt der politischen Einflussnahme auf der symbolischen und diskursiven Ebene als auf der praktischen, wenigstens gemäss der statistischen Feststellung, dass nur 11% der Volksinitiativen vom Schweizer Volk und den Kantonen angenommen wurden. Weiterlesen →

Dieses verzwickte Frauenstimmrecht

Landsgemeinde Glarus Heute ist der 4. Dezember, und am 4. Dezember 1965 schrieb der schweizerische Aussenminister Friedrich Traugott Wahlen, Vertreter der SVP im Bundesrat, einer Bäuerin namens Meier aus dem Kanton Zürich einen erstaunlichen Brief (dodis.ch/31459). Hoch entrüstet hatte sich diese an Wahlen gewendet, weil der Held der berühmten «Anbauschlacht» während des Zweiten Weltkriegs, des «Plans Wahlen», sich öffentlich für die Einführung des Frauenstimm- und wahlrechts ausgesprochen hatte. In ihrem besorgten Brief rief die Zürcher Bäuerin in Erinnerung, dass die Schweiz als ausschliesslich von Männern gelenkte Demokratie bislang immer gut funktioniert habe, und meinte, dass es auf keinen Fall richtig wäre, die Frauen dazu zu verpflichten, die Verantwortungen des Stimmrechts auf sich zu nehmen – ein Recht, dass die Frauen in ihrer Mehrheit sicher nicht wollten. Weiterlesen →

Deckname «Acqua»

Plinio Zala «Bereits in meinem Bericht vom 18. November habe ich über die Möglichkeit der Ankunft einer grösseren Anzahl SS im Veltlin informiert […] Es sind Säuberungsaktionen gegen die Partisanen im Gang. Diese Aktionen schreiten von Süd nach Nord vor […] was erklärt, wieso sich Partisanen ins Bergell geflüchtet haben». Dies schrieb
der Informant mit dem Decknamen «Acqua» genau vor 72 Jahren, am 3. Dezember 1944, ans «Bureau Bernina» des Nachrichtendienstes der Schweizer Armee. Weiterlesen →

Mobutu und die Schweiz

Mobutu auf einer Banknote von Zaïre Am 26. November 1965 kommentiert Arturo Marcionelli, Schweizer Botschafter in Léopoldville, dem heutigen Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, in seinem Politischen Bericht Nr. 7 an Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen den Staatsstreich von General Joseph-Désiré Mobutu des vergangenen Tages. Marcionelli, ein Tessiner aus Bironico, war im Februar 1963 vom Bundesrat zum Botschafter von Léopoldville ernannt worden und kannte die Situation im Kongo daher gut. Lakonisch merkte er an, dass Mobutus Putsch der einzige mögliche Ausweg aus der Inkonsequenz, den Widersprüchen und dem Chaos sei, die das politische Leben des Landes seit seiner Unabhängigkeit dominiert hatten. Weiterlesen →

Die Zensur von der Staatsräson zur privaten Räson

Winston Smith ist ein 39-jähriger grüblerischer Mann, schmächtig und gebrechlich. Er arbeitet im Ministerium für Wahrheit (oder Miniwahr in Neusprech) in einem riesengrossen Gebäude, in dessen Untergeschossen sich gigantische Verbrennungsanlagen verbergen. Seine Aufgabe ist es, die bereits veröffentlichten Zeitungsartikel zu «korrigieren» und die geschriebene Geschichte den sich ändernden Bedürfnissen der Partei anzupassen. «Wer die Vergangenheit kontrolliert», lautet der Slogan der Partei, «kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.» Weiterlesen →

Zur digitalen Revolution und der Geschichte der Zukunft

Der Begriff «digitale Revolution» beschreibt den radikalen Wandel, den der Computer und die Digitalisierung der Information Ende des 20. Jahrhunderts in fast alle unsere Lebensbereiche gebracht hat. In Analogie zu den Industrialisierungsprozessen, die 200 Jahre früher zur industriellen Revolution geführt hatten, wird zuweilen von einer «zweiten Moderne» gesprochen. Die Bezeichnungen sind nicht so wichtig, unbestreitbar ist hingegen, dass diese Revolution unsere Kommunikation und folglich auch die Art und Weise und die Materialität, mit der sie für den Moment und für die Zukunft festgehalten wird, tiefgreifend verändert hat. Weiterlesen →